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Maisaussaat: So holen Sie das Beste aus jedem Korn heraus

Gerade beim Mais spielt die Aussaat eine Schlüsselrolle. Probleme beim Feldaufgang und der Jugendentwicklung sind im Laufe der Vegetationsperiode kaum noch zu kompensieren. Das gilt ganz besonders unter den zunehmend schwierigen Witterungsbedingungen. Neue Technologien und Anbauverfahren bieten Optimierungsansätze.

Sätechnik

Effizienzsteigerung ist das Schlagwort der Stunde, wenn es um die Weiterentwicklung der Einzelkornsämaschinen geht. Die wichtigsten Ziele sind heute die Konservierung der Bodenfeuchte, die Verbesserung der Nährstoffverfügbarkeit und eine vereinfachte Bedienbarkeit über digital-elektronische Hilfen. Dabei sind nach Ansicht von Prof. Hans W. Griepentrog von der Universität Hohenheim die Anforderungen an die Sätechnik allgemein gestiegen: Variabel einstellbare Reihenweiten, gleichzeitige Düngereinarbeitung, Körnerzählsensoren und die Integrierbarkeit ins Schlepper- und Informationssystem – all das müssen moderne Sämaschinen heute mitbringen. Verbesserte Sensorik, elektrische Antriebe und damit einhergehende Elektronik eröffnen ständig neue Möglichkeiten zur Optimierung der Arbeitsqualität.

Für Kulturen mit wenig räumlichem Kompensationsvermögen wie dem Mais ist die Standflächenverteilung von größter Bedeutung. Hier lässt sich die Längsverteilung mit Einzelkornsaat jedoch kaum noch verbessern, sodass nur die Reihenweite als mögliche Stellschraube bleibt. Einige Landmaschinenhersteller bieten inzwischen Lösungen für flexible Fahrgassen und Reihenweiten an.

Neue Systeme bieten bei Mais die Möglichkeit einer portionierten Düngung in Längsrichtung, die mit der Sämaschine und dessen Kornablage abgestimmt wird. Untersuchungen haben gezeigt, dass durch die räumliche Konzentration der Nährstoffe eine einfachere Zugänglichkeit gegeben ist und die Düngermengen für den gesamten Bestand sogar reduzierbar sind.

Darüber hinaus bieten laut Prof. Till Meinel von der Technischen Hochschule Köln mehrere Hersteller seit einigen Jahren aktiv geregelte Systeme zur Verbesserung der Einbettungsqualität bei der Maisaussaat an, die auf der Messung des Auflagedrucks der Tiefenführungsrollen an den Säaggregaten basieren.

Neben den elektrischen Antrieben gewinnen Sensoren zur Erfassung bestimmter Bodeneigenschaften in naher Zukunft an Bedeutung. Mit der Aussaat wird der Boden grundsätzlich geöffnet. Das bietet die Möglichkeit, Eigenschaften im Boden und nicht nur an der Oberfläche zu erfassen. Als Schwierigkeit erweist sich dabei jedoch die hohe Fahrdynamik, meint Prof. Griepentrog. Auf der Agritechnica 2019 wurde bereits ein System vorgestellt, das in Abhängigkeit von der Bodenfeuchte automatisch die Ablagetiefe des Saatguts steuert. Dabei misst der Sensor verschiedene Bodenkennwerte direkt in der Furche (u.a. Bodentemperatur, Bodenfeuchte, Kationenaustauschkapazität und Gehalt an organischer Substanz).

Variable Saatstärken

Variable Saatstärken reduzieren standortangepasst den Konkurrenzdruck um Wasser, Nährstoffe und Licht und nehmen damit Einfluss auf Ertrag und Qualität der Bestände. Möglich machen das heute teilflächenspezifische Aussaatkarten auf Basis von Satellitendaten in Kombination mit moderner Sätechnik. Viele Landwirte beobachten gerade bei Trockenheit immer häufiger, dass manche Pflanzen gar keinen Kolben mehr ausbilden. Traut man sich jedoch, auf den schwachen Arealen mal zwei Pflanzen weniger in den Boden zu bringen, kann das im Ergebnis schon mal vier Kolben mehr bedeuten. Der Mais eignet sich hervorragend für angepasste Kornabstände. Er bestockt sich nicht wie Getreide. Daher können Praktiker mit etwas Gefühl und Erfahrung gut abschätzen, welche Auswirkungen die unterschiedlichen Saatstärken auf den einzelnen Teilflächen zur Folge haben.

Für die Umsetzung benötigt man digitale Applikationskarten auf Basis von Satellitenbildern, Bodenproben und/oder Biomassedaten sowie eine Sämaschine, die mit Hilfe elektrisch oder hydraulisch angetriebener Säaggregate automatisiert die Kornablage variieren kann.

Wie stark die Saatmengen je Flächeneinheit variieren sollen, legt in der Regel der Landwirt fest. Entweder allein oder gemeinsam mit dem Berater, dem Lohnunternehmer oder dem Saatguthersteller.

Ob sich das Verfahren im Einzelfall rentiert, lässt sich allerdings pauschal nicht beantworten. Hier spielen vor allem die Standortbedingungen und die Präferenzen des Betriebsleiters eine Schlüsselrolle. Vor allem bei wechselhaften Bodenverhältnissen und schwierigen Witterungsbedingungen verspricht die variable Maisaussaat viele Vorteile. Sie bietet dem Landwirt einen vergleichsweise einfachen und kostengünstigen Einstieg in die teilflächenspezifische Bewirtschaftung.

Um die Nährstoffeffizienz weiter zu verbessern, wäre die Kombination aus teilflächenspezifischer Saat und Düngung förderlich. Wo mehr Pflanzen stehen, sollte auch mehr gedüngt werden –und umgekehrt. Technisch ist das durchaus möglich. Die Krux: Oftmals wird die Aussaat von einem Lohnunternehmer durchgeführt, während der Landwirt die Düngung selbst übernimmt.

Neue Anbausysteme

Vor allem mit Blick auf die zunehmenden Wetterextreme bietet der Anbau von Mais im Dammverfahren vielversprechende Perspektiven. Im nassen Herbst 2017 konnten Maisflächen im Dammanbau deutlich leichter beerntet werden als konventionell angebaute Flächen, da der Boden tragfähiger war. In den besonders trockenen Jahren 2018 und 2019 ließen sich durch den Dammanbau in Exaktversuchen bis zu 14 % mehr Trockenmasse realisieren, berichtet Paul Steinberg von der Saaten-Union.

In einem Arbeitsgang erfolgt eine Tiefenlockerung unter der Maisreihe, ein Anhäufeln der obersten Erdschicht durch Häufelkörper sowie eine anschließende Rückverfestigung der Dämme mit V-förmigen Walzen. Mit der nachlaufenden Drillmaschine folgt die Saatgutablage in den Damm. Hierbei ist entscheidend, dass die Stützräder 12 bis 18 cm tiefer als die Säaggregate zwischen den Dämmen laufen, um eine gezielte Saatgutablage zu ermöglichen, erläutert Steinberg.

Bei einem Reihenabstand von 75 cm findet zwischen den Reihen keine tiefe Bodenbearbeitung statt, sodass die Kapillarität hier nicht gebrochen wird. Die Tiefenlockerung in der Reihe kann bis maximal 50 cm durchgeführt werden, um mögliche Pflugsohlen zu durchbrechen. Gleichzeitig ermöglicht diese Vorgehensweise dem Mais eine Durchwurzelung in tiefere Schichten. Das Korn wird durch diese Technik ortsüblich und bis 5 cm tiefer abgelegt. Dadurch wird es neben der Feuchtigkeit von oben durch die weiterhin vorhandene Kapillarität auch von unten mit Wasser versorgt.

Daneben bietet der Dammanbau weitere Vorteile, so Steinberg: Die gut durchlüftete nährstoffreiche Schicht des Oberbodens umgibt das Korn. Zudem erwärmt sich der Damm schneller, was die Jugendentwicklung des Maises begünstigt. Der höhere Stand der Pflanzen auf dem Damm sorgt für weniger Lichtkonkurrenz. Der Mais wächst dem Unkraut noch besser davon, da letzteres an den Flanken nur den nährstoffärmeren Boden zur Verfügung hat. Die Nährstoffbündelung im Damm und deren schnellere Umsetzung durch die Wärme steigert die Effizienz der Ausnutzung vorhandener Nährstoffe deutlich. Durch die tiefe Lockerung direkt unter der Maispflanze bildet diese deutlich mehr Wurzelmasse.

Extrem schwere oder sehr steinige Böden können die Technik allerdings an ihre Grenzen bringen. Bei schweren Böden sollte man von einem Durchgang im Frühjahr, in dem die Formung der Dämme und die Aussaat stattfindet, auf zwei getrennte Durchgänge wechseln (Dammformung vor Winter und Aussaat im Frühjahr). Für eine exakte Ablage der Körner in den Damm ist dann eine GPS-gestützte Aussaat erforderlich. Zum Formen der Dämme muss der Boden eine gewisse Feuchtigkeit aufweisen, da der Damm ansonsten schnell wieder in sich zusammenfällt. Zudem sollte man vor der Anschaffung einer solchen Maschine mit dem jeweiligen Technikhersteller sprechen, da es für jeden Betrieb eine optimale Ausstattung und für jeden Standort die richtige Einstellung zu finden gilt.

Darüber hinaus bietet mit Blick auf die Ackerbaustrategie und Programme zum Arten- oder Insektenschutz der Mais-Mischanbau gute Ansätze. Er fördert die Biodiversität, ermöglicht kombinierte chemische und mechanische Maßnahmen zur Unkrautregulierung, reduziert den Stickstoff-Düngeaufwand auf unterversorgten Böden und sorgt möglicherweise für eine ausgewogenere Nährstoffzusammensetzung der Silage durch höhere Proteingehalte. Gerade im blütenarmen Sommer bereichern zusätzliche Blühpflanzen die Landschaft. Als besonders gut geeigneter Partner hat sich in verschiedenen Versuchen und auch in der Praxis die Stangenbohne erwiesen. Während diese Mischkultur 2018 in Deutschland gerade mal auf ca. 400 ha angebaut wurde, waren es im Jahr 2020 schon ca. 15.000 ha, Tendenz steigend.