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Lohnt es sich, den Hahn aufzudrehen?

   

Wer in Trockenperioden einfach den Regner anstellen kann, hat es in den Augen seiner Kollegen gut. Aber Beregnung ist auch teuer und nicht für jede Kultur wirtschaftlich. Klar, für Kartoffeln und Rüben rechnet sich das immer. Aber auch für Getreide? Wir haben Ekkehard Fricke gefragt.

Herr Fricke, nach einem ausgesprochenen Dürrejahr und zwei deutlich überdurchschnittlich trockenen Jahren hintereinander fragen sich viele Landwirte, wie sie sich an die klimatischen Veränderungen anpassen sollen. Haben Sie da Tipps?

Die einfache Antwort lautet: Beregnung. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Um beurteilen zu können, ob der Einstieg in die Beregnung die richtige betriebliche Entscheidung ist, müssen vorab einige Fragen beantwortet werden:

  • Können Sie die wirtschaftliche Situation des Betriebes durch Beregnung nachhaltig positiv beeinflussen?
  • Ist die nutzbare Grundwasserdargebotsreserve in Ihrem Grundwasserkörper noch in ausreichender Menge vorhanden?
  • Können Sie das Wasser zu vertretbaren Kosten fördern und zu Ihren Flächen leiten?
  • Erhalten Sie von der Unteren Wasserbehörde Ihres Landkreises ein – für die angebauten Kulturen ausreichendes – Wasserrecht?
  • Müssen Sie dazu ein aufwendiges, kostenintensives hydrogeologisches Gutachten beauftragen?
  • Welche einschränkenden Nebenbestimmungen legt der Landkreis Ihrem Betrieb auf, und sind diese praktikabel und wirtschaftlich darstellbar?

OK, eine Menge Voraussetzunen also. Fragen wir einmal anders: Bei welchen Kulturen lohnt sich die Beregnung denn?
Ekkehard Fricke:
 Wir haben auf unserem Versuchsstandort in Hamersdorf über viele Jahre unterschiedliche Beregnungsvarianten getestet. Während Raps auf die Beregnung nur mit geringen Mehrerträgen reagiert, bringen besonders Winterweizen, Sommerbraugerste und Kartoffeln deutlich höhere Mehrerträge.

Also »Hahn auf« für diese Früchte?
Fricke:
 Das wäre schön. Aber ein Blick auf die im Mittel benötigten Wassermengen zeigt, dass nicht alle Kulturen »optimal« bewässert werden können, da ansonsten die behördlich zur Verfügung stehenden Wassermengen (oft sind dies ca. 800 m3/ha, also 80 mm) nicht eingehalten werden können. Der Landwirt muss daher in jedem Jahr in Abhängigkeit der angebauten Kulturen und der jeweiligen Marktpreise genau überlegen, nach welcher Strategie er die unterschiedlichen Kulturen beregnet.

Die knappe Resource Wasser muss also optimal eingesetzt werden. Bei welcher Kultur ist der Effekt am größten?
Fricke:
 Die wirtschaftliche Auswertung dieser Versuche gibt da eine gewisse Hilfestellung. Ganz vorne steht eindeutig dieSpeisekartoffel. In unseren Versuchen bleiben bei ihr durch die Beregnung unter dem Strich knapp 2 000 € je ha übrig. Selbst die reduziert beregneten Variante bringt einen Vorteil von 1800 €/ha. Bei der Sommerbraugerste, dem Silomais sowie der Wintergerste ist ebenfalls die beregnungskostenfreie Leistung der optimal beregneten Variante wirtschaftlich besser. Beim Winterweizen werden die Kosten der optimalen Beregnung durch die Mehrerlöse nicht gedeckt, weshalb hier eine reduzierte Beregnung ausreichte.

Wenn ich mit dem Wasser haushalten muss, wann sollte ich dann die Regenkanone einschalten?
Fricke:
 Punktgenau treffen Sie den richtigen Moment nie. Aber man kann schon ziemlich präzise Kennzahlen nennen. Natürlich sollten Sie die Bewässerung möglichst genau an die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kulturen anpassen. Bewässern Sie zu wenig oder sparen Sie zum falschen Zeitpunkt, kann das erhebliche negative Auswirkungen auf den Ertrag, aber auch auf erforderliche Qualitäten haben. Zu hohe Wassergaben sind dagegen unproduktiv. Das kostbare Nass wird verschwendet und fehlt dann an anderer Stelle. In beiden Fällen leidet die Wirtschaftlichkeit.

Zu viel Wasser kann doch eigentlich keinen Schaden machen, oder?
Fricke:
 Oh doch: Im Falle überhöhter Wassergaben kann es durch Versickerung unter die durchwurzelte Zone zu Nährstoffverlusten kommen. Abgesehen von möglichen negativen Folgen für das Grundwasser leidet darunter auch die Düngungseffizienz, was im Hinblick auf die Einschränkungen durch die Düngeverordnung niemand wollen kann.

Also lieber etwas weniger Wasser als zuviel?
Fricke:
 Nicht ganz. Zu geringe Gaben, die deutlich unter den berechneten Mengen bleiben, sind ebenfalls nicht empfehlenswert. Sie dringen nicht tief genug in den Boden ein und sind sehr schnell wieder verdunstet. Auch sind die Verluste durch die Verdunstung des auf den Blättern hängen gebliebenen und des in der Nähe der Bodenoberfläche befindlichen Wassers relativ hoch. Wenn Sie zu wenig Wasser geben, können auch die gedüngten Nährstoffe wegen der verringerten Entzüge nicht ausreichend genutzt werden und verbleiben teilweise im Boden. Im Falle leicht löslicher Verbindungen wie Nitrat wären damit über Winter Verluste über das Sickerwasser verbunden. daher brauchen wir eine Bewässerungssteuerung nach objektiven Kriterien.

Wie sieht eine solche Steuerung aus?
Fricke:
 Die Gabenhöhe für die Beregnung richtet sich danach, wieviel Wasser ein Boden aufnehmen kann. Das ist zum einen abhängig von der Bodenart und dem Humusgehalt und zum anderen von der Durchwurzelungstiefe. Die in Beregnungsgebieten typischen leichten sandigen Böden haben je 10 cm Bodentiefe eine nutzbare Feldkapazität (nFK) von 10 bis 16 mm (entspricht Liter/m2). Reine Sande liegen am unteren Ende dieser Spanne, lehmige, schluffige oder sehr humose Sande am oberen Ende.  Im nächsten Schritt ist zu klären, aus welcher Tiefe die Pflanzen das Wasser aus dem Boden entziehen können. Flach wurzelnde Kulturen wie Kartoffel, Zwiebel oder Sommergerste schaffen das bis maximal 60 cm Tiefe. Hierbei müssen Sie zusätzlich berücksichtigen, dass die Durchwurzelungstiefe zu Beginn der Entwicklung geringer ist.

Konkret: Was heißt das für die maximale Wassergabe?
Fricke:
 Der Bodenwasserspeicher sollte nur etwa zu 80 bis 90 % aufgefüllt werden, um Sickerwasserverluste zu vermeiden. Bei einem Beregnungsbeginn ab 50 % der nFK und einer Auffüllung bis 80 % der nFK beträgt die maximale Gabenhöhe auf reinen Sandböden mit insgesamt 60 mm nFK bei 60 cm Tiefe 18 mm. Bei einem Boden mit guter Wasserspeicherkapazität errechnen sich so theoretisch Gaben über 50 mm. So hohe Mengen kann der Boden jedoch nicht in kurzer Zeit aufnehmen, wodurch es zu Oberflächenabfluss kommen kann. Daher sollte die Einzelgaben je nach Boden, Kultur und aktueller Bodenfeuchtigkeit zwischen 20 und 40 mm liegen.

Gilt das auch für Tiefwurzler?
Fricke:
 Ja, das gilt auch für Zuckerrüben, Wintergetreide oder Mais, die wegen ihres großen Wurzelraums bei entsprechender Austrocknung viel Wasser aufnehmen könnten. In diesen Fällen bleibt die Auffüllrate des gesamten Bodens geringer als 80 %, so dass vor allem der Oberboden vollständig durchfeuchtet wird. Die Pflanzen passen sich an die schwankende Bodenfeuchte in den Bodenschichten an, indem sie bei hoher Wasserverfügbarkeit im Oberboden hauptsächlich aus dieser Zone Wasser entnehmen, auch wenn Wurzeln in größerer Tiefe gebildet wurden. Die tiefen Wurzeln übernehmen erst dann wieder einen Teil der Wasserversorgung, wenn es oben trockener wird. Es ist daher nicht notwendig, und bei geringer Bodenfeuchte mit einer einzelnen Beregnungsgabe auch gar nicht möglich, den gesamten Wurzelraum bei Tiefwurzlern über 60 cm hinaus zu durchfeuchten.

Haben Sie noch in paar konkrete Empfehlungen für die wichtigsten Kulturen?
Fricke:
 Fangen wir mit dem Mais an. Es reicht aus, den in der wichtigsten Zeitspanne vom Rispenschieben bis zum Beginn der Milchreife zu beregnen. Während des Längenwachstums sollte eine Beregnung nur bei extremer Trockenheit erfolgen sollte. Kurz vor und während der Blüte reagiert der Mais sehr sensibel auf Wassermangel. Daher sollten Sie ab 40 bis 45 % der nFK beregnen. Spätestens aber dann, wenn erste Blätter zu rollen beginnen. Bei den Speisekartoffeln sollten Sie schon ab Beginn des Knollenansatzes bewässern. Die Bodenfeuchte im Damm sollte dann 50 % der nFK nicht unterschreiten. Bei Industriekartoffeln kann die Beregnung etwas später bzw. bei geringerer Bodenfeuchte erfolgen. Ab der Blüte sollte die Bodenfeuchte nicht unter 40 % der nFK liegen, bei Speisekartoffeln oder trockenheitsempfindlichen Sorten besser bei 50 % der nFK. Achten Sie darauf, dass der Damm im Inneren nicht völlig austrocknet. Eine Wiederbefeuchtung von Sandböden ist auf Grund der schlechten Wasserleitfähigkeit trockenen Bodens dann sehr schwierig.

Die Zuckerrüben haben den Vorteil, dass man ihnen Trockenstress direkt ansehen kann. Zu Beginn der Entwicklung bis zum Reihenschluss sollten sich die Pflanzen aus dem Boden selbst versorgen. Eine zu frühe Beregnung kann die gewünschte tiefgründige Durchwurzelung hemmen und ein zu üppiges Blattwachstum fördern. Mäßiger Wassermangel in der Jugendentwicklung fördert dagegen die Trockenheitstoleranz des Bestandes. Ab dem Reihenschluss sollte die Beregnung beginnen, wenn starker Trockenstress erkennbar ist, d. h. wenn sich die Blätter tagsüber hinlegen und sich auch morgens noch nicht vollständig erholt haben. Bis etwa Mitte Juli können Sie sogar einige Blattverluste tolerieren, weil sich in den Versuchen gezeigt hat, dass die Rüben in ihrer langen Vegetationszeit relativ viel kompensieren können. Regelmäßig beregnen sollten Sie, wenn die Bodenfeuchte 25 bis 35 % der nFK erreicht hat, was sich am starken »Schlappen« der Blätter bemerkbar macht.

Beim Getreide – Ausnahme ist die Braugerste - ist eine frühe Beregnung bis Mitte des Schossens in den meisten Jahren wenig ertragswirksam. Getreide hat generell den Vorteil, dass es zeitweiligen Trockenstress in einzelnen Entwicklungsphasen gut kompensieren kann. Eine geringe Bestandesdichte durch Wassermangel von der Bestockung bis zur Mitte des Schossens können von Weizen, Gerste und Roggen  zumindest teilweise durch eine gute Einkörnung der Ähren ausgeglichen werden. Auch durch das Korngewicht ist noch eine Kompensation möglich. Daher sollte die Beregnung erst ab dem Erscheinen des Fahnenblattes beginnen, wenn die Bodenfeuchte bei 35 bis 45 % der nFK liegt. Eine frühere Beregnung ist nur bei großer Hitze und Trockenheit angezeigt.