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Interview mit Klaus-Herbert Rolf

Vorsitzender des VDMA-Arbeitskreises Presse und Werbung und Network Manager bei CLAAS KGaA mbH

1) Heute wird bei jeder Gelegenheit gern und viel über Digitalisierung in der Landwirtschaft geredet. Was bedeutet für Sie Digitalisierung?

Die Digitalisierung ist extrem vielschichtig uns reicht von simplen Smartphone-Apps bis hin zu vollautomatisierten und vernetzen Produktionssystemen. In jedem Fall sind digitale Anwendungen eine Chance für die Landwirtschaft. Dies bestätigen mir auch viele Landwirte in Gesprächen. Denn: Eine leistungsfähige, produktive und nachhaltige Landwirtschaft hängt unmittelbar mit der digitalen Unterstützung von Prozessen und Verknüpfung bzw. Vernetzung von Werkzeugen und Daten zusammen.

Dass jeder bei dem Begriff Digitalisierung unterschiedliche Vorstellungen entwickelt hat, ist für mich auch verbunden mit der Vielfältigkeit der landwirtschaftlichen Unternehmen. Während Hersteller und Handel stark die optimierenden Lösungen in der Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft entwickeln wollen, gibt es aber auch gerade im Bereich der Dokumentationspflichten den kontrollierenden Ansatz. Persönlich setze ich mich für Lösungen ein, die ökologische und ökonomische Mehrwerte schaffen.
  

2) Im Grunde ist das Thema ja nicht neu. Die Idee des Precision ist inzwischen über ein Vierteljahrhundert alt. Und die Landtechnik hat inzwischen viele innovative Technologien zu bieten. Trotzdem halten diese nur sehr schleppend Einzug in die Praxis. Woran liegt das?

Es stimmt, die Landtechnik war und ist in diesem Zeitraum in diesem Anwendungsbereich sehr innovativ. Gleichzeitig treffen die Lücken in der Netzabdeckung gerade die innovativen Lösungen. Die Technikhersteller müssen daher unnötige, zusätzliche Anstrengungen für den Fall eines „Funklochs“ unternehmen. Diesen Aufwand würden wir gerne sinnvoller in zusätzlicher Schulung und Weiterbildung zum Nutzen unserer landwirtschaftlichen Anwender einsetzen. So könnten ökologische und wirtschaftliche Vorteile und Nutzen der digitalen Landwirtschaft zukünftig noch stärker in den Beratungsprozess mit unseren Anwendern einfließen.

3) Womit sollten sich Landwirte zuerst beschäftigen, wenn sie sich dem Thema nähern wollen? Und was sollten sich interessierte Landwirte auf der Agritechnica anschauen?

Meine Empfehlung ist eine gute Vorbereitung im Vorfeld Agritechnica – das macht den Besuch effektiv. Hilfreich ist es auch, sich seine Fragen und Anforderungen aufzulisten und diese dann mit den Anbietern zu besprechen und zu vergleichen. Ich persönlich freue mich, wenn Gesprächspartner ihre Anforderungen beschreiben und man gemeinsam an der Lösung für genau diese Betriebsanforderung arbeiten kann.
In Hannover gehört aus meiner Sicht die Halle 13 mit ihren Software- und Elektronikherstellern für interessierte Landwirte zum Pflichtprogramm.
Wer sich dem Thema nähern will, sollte für diesen Bereich ca. 20 % seiner Besuchszeit nutzen. Durch die sehr kompakte Anordnung in dem neuen Hallenkonzept kann jeder Besucher und jede Besucherin die Halle 13 gut in den Messebesuch einbauen. Gleichzeitig werden natürlich sehr viele Aussteller in den anderen Hallen digitale Innovationen rund um ihr Produktportfolio auf ihren Messeständen zeigen.

4) Was ist Ihnen persönlich bei dem Thema noch wichtig?

Dass es uns gelingt, das Thema „Digitalisierung“ verständlich zu erklären und wir gemeinsam die Vorteile und den Nutzen für jeden Einzelbetrieb vermitteln. Gleichzeitig möchte ich in Gesprächen mit Menschen außerhalb der Agrar-Community klarmachen, wie nachhaltig die Produktion in weiten Teilen der Landwirtschaft bereits heute mit Hilfe moderner digitaler Landtechnik ist.

Interview mit Florian Stöhr

Geschäftsführer der Seedhouse Beteiligungs-GmbH, Osnabrück

1) Heute wird bei jeder Gelegenheit gern und viel über Digitalisierung in der Landwirtschaft geredet. Was bedeutet für Sie Digitalisierung?

Landwirtschaft war schon immer in einem kontinuierlichen Prozess von Veränderung und Optimierung. Die Geschwindigkeit nahm in den letzten 50 Jahre aber immer weiter zu und wird mit der Digitalisierung eine weitere Revolutionsstufe nehmen.

Dort stellt sich die Frage, wie man bestehende Prozesse vereinfachen und mit neuen Technologien weitere Ansätze und ganzheitliche Lösungen innerhalb der kompletten Nahrungsmittel-Wertschöpfungskette entwerfen kann.

Der Mittelpunkt ist dabei der Nutzengewinn des Anwenders, also des Landwirts.

2) Im Grunde ist das Thema ja nicht neu. Die Idee des Precision ist inzwischen über ein Vierteljahrhundert alt. Und die Landtechnik hat inzwischen viele innovative Technologien zu bieten. Trotzdem halten diese nur sehr schleppend Einzug in die Praxis. Woran liegt das?

Der Kosten-Nutzen-Faktor der Precision-Technologien war zu Beginn der Entwicklung nicht gegeben. Produktentwicklungen müssen mehr mit den tatsächlichen Bedürfnissen abgestimmt werden und weniger anhand der technischen Möglichkeiten umgesetzt werden.

3) Womit sollten sich Landwirte zuerst beschäftigen, wenn sie sich dem Thema nähern wollen? Und was sollten sich interessierte Landwirte auf der Agritechnica anschauen?

Natürlich sind die Gesamtlösungen der großen Agrartechnikhersteller spannend, auch gerade weil sie sich vermeintlich einfacher in die Betriebsprozesse einbinden lassen. Wir würden dennoch dazu raten, sich auch Startups intensiv anzuschauen. Hier gibt es häufig sogar noch die Möglichkeit in Form von Partnerschaften das Produkt mit Hilfe der eigenen Bedürfnisse für den Markt zu optimieren. Teilweise gibt es hier sogar attraktive Fördermöglichkeiten. Das Agrotech-Valley Forum ist dabei ein sehr gutes Beispiel, das Kooperationen und Synergieeffekte direkte Mehrwerte bietet. 

4) Was ist Ihnen persönlich bei dem Thema noch wichtig?

Ich habe hierzu eine persönliche Meinung. Landwirtschaft wird in der öffentlichen Wahrnehmung immer mehr negativ konnotiert. Die hohe Qualität der Versorgung wird von der Gesellschaft als selbstverständlich betrachtet, die Herausforderungen beim Pflanzenschutzmittel-Einsatz, Tierwohl und Erntehelfern prägen das Bild der Landwirtschaft in der Öffentlichkeit. 

Die Unsicherheit durch die gesellschaftlichen Umbrüche führt zu Unsicherheit im Hinblick auf Investitionsentscheidungen und den Einsatz von neuerer und präziserer Technik. Die richtige Reaktion der Landwirte wäre es aber, offen und laut über die wahre Seele der Landwirtschaft und ihrer Perspektive zu berichten und gleichzeitig mutig zu agieren, indem man das bestehende Wissen und Infrastruktur mit neuen Modellen vereint.

Interview mit René Döbelt

Landwirt in Wurzen-Nemt (Sachsen) sowie Vizepräsident der DLG und Vorsitzender des DLG-Fachbereichs Messen und Ausstellungen

1) Heute wird bei jeder Gelegenheit gern und viel über Digitalisierung in der Landwirtschaft geredet. Was bedeutet für Sie Digitalisierung?

Ich sehe darin die Verbindung von Sensordaten, Algorithmen und einer zeitnahen Verarbeitung dieser Daten zur Steuerung der Produktion (Onlinedaten im Ackerbau oder am Einzeltier). Gleichzeitig bietet sich die Möglichkeit, Wetter- und Standortdaten für entsprechende Prognosemodelle zu verknüpfen (Insektenvermehrung, Beregnungssteuerung). Nicht zu vernachlässigen ist auch die digitale Abbildung der Geschäftsprozesse zur Steuerung dieser Prozesse (Warenwirtschaft, Buchhaltung etc.). Und auch der Einsatz von Robotern mit digitaler Steuerung und Dokumentation in landwirtschaftlichen Urprozessen und in nachgelagerten Bereichen gehört dazu.

Nicht zuletzt erleichtert die automatische Online-Datenerfassung während eines Arbeitsprozesses die Dokumentation.

2) Im Grunde ist das Thema ja nicht neu. Die Idee des Precision ist inzwischen über ein Vierteljahrhundert alt. Und die Landtechnik hat inzwischen viele innovative Technologien zu bieten. Trotzdem halten diese nur sehr schleppend Einzug in die Praxis. Woran liegt das?

Kosten-Nutzen-Erwägungen bringen oft das Ergebnis, dass der Nutzen komplett von den Kosten vereinnahmt wird. Viele Systeme benötigen eine lange und umfassende Einarbeitung. Bei der Vielzahl der Aufgaben eines Landwirtes wird das oft zurückgestellt. Gleichzeitig verspüren viele Landwirte eine diffuse Angst bezüglich der Verwendung ihrer betrieblichen Daten für kommerzielle Anwendungen außerhalb des Betriebes.

Ein großer Hemmschuh ist zudem, dass Systeme oft nicht kompatibel mit der betrieblichen Technik sind. Dadurch erhöht sich der Zeitaufwand, bis die gewünschte Lösung erreicht wird. Oder es ist ein entsprechend großer Investitionsbedarf vor Ende der Nutzungsdauer der konkreten Maschine erforderlich. Der Fokus der Praktiker lag bisher auf Unterstützungssystemen für einzelbetriebliche Entscheidungs- und Steuerungsprozesse (teilautomatische Verfahren).

3) Womit sollten sich Landwirte zuerst beschäftigen, wenn sie sich dem Thema nähern wollen? Und was sollten sich interessierte Landwirte auf der Agritechnica anschauen?

Zuallererst sollte man eine betriebliche Analyse vornehmen. In welchem Bereich im Betrieb sind Handlungen notwendig oder angebracht? Dann geht es darum, aus der Vielfalt der Angebote die Anbieter zu finden, die bei den betrieblichen Gegebenheiten einsetzbar sind. Landwirte sollten künftig bei jeder Maschineninvestition die digitalen Einsatzmöglichkeiten mit berücksichtigen (Möglichkeit der automatischen Steuerung, Schnittstellen etc.).

4) Was ist Ihnen persönlich bei dem Thema noch wichtig?

Neue Technik etabliert sich in der Landwirtschaft oft sehr schnell – wenn sie wirklich funktioniert und nachhaltig Nutzen stiftet! Wir sind sehr gespannt welche Neuerungen ganz konkret auf uns zukommen werden und unsere Arbeit verändern.