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Kluge Kombinationen gefragt

Nachhaltiger Pflanzenschutz als Lösung

Die Humanmedizin macht es vor. Längst vorbei sind die Zeiten des "viel hilft viel", falls es sie jemals gab. Im Pflanzenschutz ist es nicht anders. Hochmoderne Wirkstoffe und traditionelle, aber optimierte, Verfahren zu kombinieren, ist inzwischen in vielen Betrieben nicht ungewöhnlich - selbst auf einzelnen Schlägen. Gesellschaftliche Forderungen, biologische Realitäten und ökonomische Einsichten fördern diesen Trend .

Renaissance mechanischer Verfahren

Nicht zuletzt aufgrund der Diskussion um den modernen Pflanzenschutz und Verlust von Wirkstoffen setzen Landwirte wieder stärker auf mechanische Methoden, um Unkraut zu bekämpfen. Dafür stehen Systeme mit Striegeln und Hacken zur Verfügung. Die Striegel sind universeller, da sie sich auf eine sehr geringe Arbeitsbreite einstellen lassen. Hacken sind in Kulturen mit weitem Reihenabstand die Methode der Wahl: Ganz nebenbei zeigt sich der Ursprung des Begriffs "Hackfrüchte", wenngleich heute keiner mehr mit der Hacke über der Schulter loszieht, sondern präzise gesteuerte Anbaugeräte am Traktor die unerwünschten Pflanzen aus den Beständen entfernen. 

Die Renaissance des mechanischen Pflanzenschutzes ist, zusätzlich zur öffentlichen Debatte um chemische Mittel, mit Fehlentwicklungen der Vergangenheit verbunden. Zu enge Fruchtfolgen und der wiederholte Einsatz der gleichen Pflanzenschutzmittel haben Herbizidresistenzen gefördert. Die Fachleute des Julius-Kühn-Institutes beschreiben das Problem mit klaren Worten: "Herbizide wurden immer als die wirksamste und in den meisten Fällen auch als die preisgünstigste und zuverlässigste Form der Unkrautbekämpfung angesehen. Die vermehrt auftretenden Resistenzfälle führen zu ökonomischen Konsequenzen auf einzelbetrieblicher Ebene, wenn die Herbizidbehandlungsintensität erhöht werden muss und dennoch Ertragsrückgänge aufgrund unzureichender Unkrautbekämpfung auftreten."

Schlüsseltechnologie Sensorik 

Dem gilt es, jenseits der reinen Unkrautbekämpfung, künftig mit den (verbliebenen) chemischen Pflanzenschutzwirkstoffen vorzubeugen. Intelligenter Pflanzenschutz ist angesagt. Dazu zählen, außer den geschilderten mechanischen Methoden, weiterhin chemische Lösungen und vermehrt biologische Ansätze. Letztgenannte sind ein gutes Beispiel, wie biologisch und konventionell wirtschaftende Erzeuger voneinander lernen können - ohne ideologische Gräben, aber mit Nutzen für die Praxis. Nützlinge zu fördern ist eine Sache, der ganzheitliche Blick auf abiotische und biotische Faktoren ein anderes und weitreichenderes Prinzip. 

Gewissermaßen als "technologische Klammer" verbindet die Digitalisierung samt Robotik den umfassenden Ansatz für den nachhaltigen Pflanzenschutz. 

Laut Prof. Dr. Arno Ruckelshausen von der Hochschule Osnabrück ergeben sich speziell im Pflanzenschutz Vorteile für Feldroboter mit Sensorik. Es sei möglich, "nur Unkraut zu behandeln oder sogar bestimmte Unkräuter stehen lassen, weil sie der Nutzpflanze dienen", erläutert Ruckelshausen gegenüber dem Fachportal "www.die-Pflanzenschuetzer.de". Die zentrale Frage ist für den Wissenschaftler: "Was sind die Prozesse von denen Landwirte und Umwelt einen Nutzen haben." In absehbarer Zeit seien nur noch Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich, "die entsprechende ökologische Aspekte beachten", prognostiziert Ruckelshausen.

Vorbeugen statt Kurieren 

In der Aussage des Wissenschaftlers schwingt die Frage nach der Verantwortung mit. Und die wird zur Weltleitmesse für Landtechnik im Mittelpunkt stehen: "Global Farming Local Responsibility" ist das Leitthema der AGRITECHNICA 2019 vom 10. bis 16. November 2019 in Hannover. Technologien für den jeweiligen Standort erfüllen diesen Anspruch mit Leben. In zahlreichen Fachforen und selbstverständlich an Ständen der Aussteller hat die weltweite Community der Pflanzenbauprofis die Gelegenheit, neue Technologien kennenzulernen und zu checken, ob und wie sie sich in der eigenen Situation einsetzen lassen.  

Der vielversprechendste Weg des nachhaltigen Pflanzenschutzes ist wie in der Humanmedizin die Vorbeugung. Übertragen auf den Pflanzenbau bedeutet das: Alle Maßnahmen oder vielmehr die gesamte (Anbau-)Planung müssen so ausgerichtet sein, dass Medizin, also Pflanzenschutz, so wenig wie möglich und so viel wie nötig angewandt wird. Diese Grundregel des "integrierten Pflanzenschutzes" hat sich bewährt: Vorbeugen statt kurieren. 

Kurz gefasst:

  • Moderner Pflanzenschutz kombiniert Verfahren
  • Gesellschaftliche Debatte erfordert Umdenken 
  • Renaissance mechanischer Methoden
  • Sensorik und Robotik als Schlüsseltechnologien
  • Ganzheitlicher Ansatz bereits in der Anbauplanung

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