Nach der Ernte

Erträge sicher lagern

Die statistischen Daten weisen eine große Bandbreite auf, doch sicher scheint: Je nach Region und Kulturart gehen deutliche Nutzpflanzenerträge nach der Ernte verloren. Und das gerade in Regionen mit Versorgungsproblemen. Die Verluste entscheiden, ob Betriebe profitabel arbeiten und in vielen Fällen sogar, ob Menschen hungern.

"Die Verluste liegen bei 15-25 Prozent im Mittel mit mehr als 40 Prozent bis hin zum Totalverlust in Ausnahmejahren", beschreibt Martin Gummert die quantitative Situation für den Reisanbau. Aufgrund der geringen Erntequalitäten beziffert der Nachernte-Experte des in Manila/Philippinen ansässigen International Rice Research Institutes (IRRI) den damit verbundenen Marktverlust auf 10 bis 30 Prozent.

Der Markt alleine schafften derzeit keine ausreichenden Anreize für die Reiserzeuger effizienter zu produzieren. Vertikal integrierte Wertschöpfungsketten mit Vertragsanbau könnten laut Gummert helfen, allerdings gelte es "Risiken wie Monopolisierung zu vermeiden".

Die gemeinsame "Sustainable Rice Platform" des IRRI und des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) fördert den nachhaltigen Reisanbau. Zu den Erfolgen der Plattform zählt "Hermetic Storage" (hermetisches Lagern). Das relativ einfache Verfahren mit System von 30 Litern bis 300 Tonnen verhindert den Austausch von Feuchtigkeit und Gas (Sauerstoff) zwischen Lager und umgebender Atmosphäre.  In tropischen Ländern hat sich das Verfahren für Saatgut und Ernte bewährt.

Vorbeugen gegen Schädlinge

Hierzulande sind Nachernteverluste im mittleren einstelligen Prozentbereich die Benchmark. Wissenschaftler des Johann Heinrich von Thünen-Institutes, Max-Rubner-Institutes und Julius-Kühn-Institutes gliedern den Schaden in einem konservativen Szenario wie folgt: Verluste durch Vorreinigung 1,7 Prozent und Einlagerung 0,15 Prozent. Die natürliche Atmung des Erntegutes (Stoffwechsel) erreicht 0,85 Prozent Anteil und während des Auslagerns gehen 0,15 Prozent verloren. Der wissenschaftliche Bericht an die Bundesregierung beziffert Schädlingsverluste auf 1,96 Prozent.  Zusammengefasst kommt die Studie für Deutschland auf knapp 5 Prozent Verluste nach der Ernte.

Für Getreide und Ölsaaten bilden Temperatur und Feuchtigkeit des Erntegutes sowie die gleichen Parameter im gesamten Lager die zentralen Parameter. Schlechte Konditionen fördern mikrobiologische Belastungen durch Schimmelpilze. "Gegen Schädlinge wie den Kornkäfer haben vorbeugende Maßnahmen absolute Priorität vor einer Bekämpfung", heißt es im DLG-Merkblatt (425) "Getreide sicher lagern". Die Grundregel der DLG-Experten lautet: Der beste Schädling sei jener, der nicht ins Lager komme. "Wer seinen Betrieb insgesamt schädlingsfeindlich gestaltet, hat später weniger Kalamitäten."

Parameter regelmäßig kontrollieren

Ganz zu vermeiden sei die Einschleppung von Schadinsekten nur in gasdichten Silozellen oder Kammern ohne jegliches Restgetreide, schränkt das DLG-Merkblatt ein.  In trocken eingelagertem Getreide mit einer Temperatur unter 10 °C entwickelten sich keine Insekten; selbst Milben vermehrten sich nur noch sehr langsam – ausreichende Feuchtigkeit vorausgesetzt. Das Hauptproblem beginnt mit dem für Schaderreger förderlichen Mikroklima. Dieses sei kontrollierbar durch die Steuerung der drei Faktoren Staub, Wär­me und Feuchtigkeit. Eine regelmäßige Temperaturkontrolle bleibe unerlässlich. Wenn es warm wird, müssen die Alarmglocken schrillen: "Ansteigende Temperatu­ren im Lagergut deuten auf einen Befall durch Käfer, Milben oder Schimmelpilze hin", warnen die ehrenamtlichen Experten des DLG-Fachzentrums Landwirtschaft.  

Ohren auf gegen Käfer

Krabbelt es im Lager, war lange Zeit der Einsatz von Insektiziden das letzte Mittel, damit keine größeren Schäden entstehen. Viele Wirkstoffe, insbesondere jene, die Landwirte selbst anwenden dürfen, sind nicht mehr zugelassen. Forscher des Julius-Kühn-Institutes erproben in einem Praxistest ein Verfahren, um den Käferbefall differenziert und frühzeitig zu diagnostizieren. Das "Beetle-Sound-Tube-System" erkennt die Fress- und Krabbelgeräusche der Schädlinge. Über die "Käfer-Klang-Röhre" könnten Schlupfwespen in Getreidesilo eingebracht werden. Diese legen ihre Eier in die Larven der Kornkäfer und die wachsende Schlupfwespe frisst die Frühstadien der Käfer. Haben sie Ihr Werk verrichtet und es ist keine Nahrung mehr vorhanden, können die (abgestorbenen) Schlupfwesen einfach per Getreidereinigung entfernt werden.     

Solche Spitzentechnologien sind für Landwirte in hochentwickelten (Agar-) Regionen geeignet, da sie sich nur mit entsprechender Infrastruktur einsetzen lassen. Anderswo helfen einfach Mittel um die Erträge nach der Ernte zu sichern. Stabilere Säcke, durch die Schädlinge nicht eindringen, sind ein "Instrument" mit denen Landwirte in wenig entwickelten Regionen dafür sorgen (können), dass Schädlinge vom Erntegut fernbleiben. Landwirte tragen Verantwortung die Ernährung, sei es mit einfachen oder komplexen Methoden. "Global Farming Local Responsibilty", das Leitthema der AGRITECHNICA 2019, bringt diese universelle Maßgabe auf den Punkt.

Kurz gefasst:

  • Nachernte-Verluste weltweit erheblich
  • Deutschland weist für Getreide rund 5 Prozent auf
  • Vorbeugen statt behandeln
  • Lagerparameter kontrollieren und steuern
  • International einfache und komplexe Schutzverfahren
     

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