Wohl dosiert

Düngemanagement für Profis

Das Thema "Düngung" ist aufgrund der Düngeverordnung präsenter denn je und das weit über die Fachzirkel hinaus. Alle reden mit, nicht jeder faktenbasiert, und auf politischer Ebene deuten sich weitere Einschränkungen für die Düngung an. Genügend Gründe, um sich der Düngung fachlich zu nähern und Lösungen für die Praxis aufzuzeigen. Beim Blick in die weltweiten Agrarregionen ist offenkundig, wie unterschiedlich die natürlichen Bedingungen und jeweiligen Ansprüche der Erzeuger sind.

Mangel und Überschuss

"Unsere Studenten möchten, wenn sie später Betriebe übernehmen, eine einfache Dokumentation des gesamten Düngemanagements", versichert Prof. Dr. Hans-Werner Olfs. Der Pflanzenernährungsexperte von der Hochschule Osnabrück schränkt ein, dass eine solch simple und umfassende Dokumentation, wie von den IT-affinen Agrarstudenten gewünscht, (noch) nicht möglich sei. "Allerdings arbeiten einige Hersteller mit Hochdruck daran, diese Systeme zu entwickeln und bereits bald dürfte es praxisreife Anwendungen, sogar für Smartphones, geben."

Während Landwirte in Mitteleuropa meist mit Überschüssen an Nährstoffen umgehen müssen, besteht in der Region Sub-Sahara für die Pflanzenproduktion ein Mangel, vor allem an Phosphor. In Südamerika fixieren die Böden in vielen Regionen die Nährstoffe.  So ist etwa Phosphat im Boden vorhanden, aber so fest gebunden, das es nicht oder kaum für die Nutzpflanzen verfügbar ist.

Wissenschaftler Olfs stellt mit Blick auf die rechtlichen Vorgaben hierzulande fest, dass die Düngeverordnung des Jahres 2017 in einigen Punkten "aus fachlicher Sicht zu lasch war und das sollten die Landwirte erkennen und ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass sich jetzt etwas ändern muss".

Mineraldünger exakt ausbringen

Technologisch ist vieles möglich, manchmal sogar mit weniger Aufwand als gedacht. Für den klassischen Mineraldünger bestehen nach Olfs Ansicht zwei grundsätzliche Probleme.  So werde Dünger häufig nicht exakt ausgebracht, vor allem quer zur Fahrspur. Überlappen die Düngergaben zu stark, kommt beispielsweise zu viel Stickstoff (N) an einigen Stellen in den Boden. Getreide kann später ins Lager gehen, wenn der Variationskoeffizient, das Maß für die Genauigkeit in der Querteilung, 30 Prozent übersteigt.  Das zweite Problem betrifft die physikalischen Eigenschaften wie Korngrößen des Mineraldüngers. Wird dieser als „lose Ware“ häufig umgeladen, zermahlen Druck und Abrieb die Düngerkörner.  Aus den Düngerkörnern wird eine Art Pulver, das sich schlecht verteilen lässt.  Düngemanagement-Experte Olfs hält Mineraldünger in Big Bags deshalb für die zwar aufwändigere, aber in Bezug auf die Verteilgenauigkeit nachhaltigere Alternative zur „losen Ware“.

Gülle erst checken  

Ist die Viehdichte (zu) hoch, mutiert der wertvolle Rohstoff Gülle zum Problemfall. Gülle aus Überschussgebieten mit intensiver Tierhaltung in Regionen mit weniger Nutztieren zu bringen, ermöglichte über Jahre, zumindest teilweise, einen Ausgleich. Die Vorgaben der neuen Düngeverordnung haben die Landwirte in den Abnahmegebieten verunsichert und sie nehmen den Wirtschaftsdünger kaum noch ab.

Wer bislang Gülle abgegeben hat, muss sich, neben grundsätzlichen Überlegungen zur Intensität der Tierhaltung, etwas Neues einfallen lassen. Die Bestandteile des Wirtschaftsdüngers genau zu kennen, ist ein erster wichtiger Schritt. Olfs plädiert für einfache Messmethoden, die der Landwirt in seinem Betrieb selbst einsetzen kann. Kurz vor der Praxisreife stehen Verfahren, die mit Nah-Infrarot (NIR) -Sensoren direkt an der Pumpe des Güllelagers, bevor der Dünger ausgebracht wird, oder auf dem Ausbringgerät messen. Erste DLG-Testberichte liegen vor und zeigen für Olfs die Richtung an. Gülle sei nicht gleich Gülle - weder in einem landwirtschaftlichen Betrieb und erst recht nicht überbetrieblich. Kenne der Landwirt die Qualität der Gülle, lasse sich diese genauer und effizienter auf den eigenen Flächen einsetzen oder an andere Betriebe abgeben. Gemessen werden sollte nicht nur Stickstoff, sondern weitere wertbestimmende Inhaltsstoffe sowie der pH-Wert.

Wann immer es die angebaute Ackerkultur erlaubt, plädiert Olfs für Gülle-Unterfußdüngung, die er den Schleppschläuchen für überlegen hält. Unter Fuß zu düngen bedeutet: Gülle wird nicht auf die Ackeroberfläche ausgebracht, sondern mittels eines Injektionsschars in das Erdreich appliziert.   

Während der AGRITECHNICA 2019 ist diese Technologie mit Sicherheit präsent. Die Weltleitmesse für Landtechnik bietet mit ihrer Vielfalt den gesamten Überblick, den Landwirte weltweit benötigen, damit das Leitthema der AGRITECHNICA in der Praxis ankommt: "Global Farming Local Responsibilty".

Auf einen Blick

  • Nährstoffversorgung/-verfügbarkeit weltweit sehr heterogen
  • Europa: Technologische Antworten auf gesellschaftliche Forderungen
  • Gülle: Bestandteile checken und effizienter einsetzen
  • Mineraldünger: Exakter ausbringen und Granulate schonen
  • Unterfußdüngung reduziert Verluste und schont Umwelt

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