Verantwortung für ein knappes Gut

Bewässerung in der Praxis

Was haben Landwirte in der Brandenburger Provinz und die Erzeuger im Norden Namibias gemeinsam? "Viel Sand im Boden", könnte eine Antwort lauten. Stimmt sogar. Die Antwort "wenig(er) Wasser" wäre ebenfalls richtig. Vor allem gilt in beiden Fällen, wie für die gesamte weltweit vernetzte Landwirtschaft: Herausforderungen mögen sich ähneln, lassen sich jedoch nur lokal meistern. Wasser(-mangel) steht dafür exemplarisch.

Klimawandel ist Realität

Es ist der vermutlich älteste Traum der Landwirtschaft: "Das Wetter machen" - bestimmen, wann die Sonne scheint oder es regnet. Natürlich den Wind nicht vergessen. Professionelle Landwirte rund um den Globus geben sich aber keinen Tagträumen hin. Landwirtschaft findet bekanntermaßen unter freiem Himmel statt und die Erzeuger sind Realisten. Zu dieser Realität zählt: Wassermangel ist ein ernstzunehmendes Problem. Nicht nur in den ariden Gebieten des weltweiten Ackerbaus, sondern zunehmend in Regionen, die bislang einigermaßen mit dem Wasser über die Runden gekommen sind. Der Klimawandel zeigt Wirkung.

Ressourcen erkennen und nutzen

Traditionelle Trockenregionen haben Erfahrung mit diesem Mangel. Dort, wo das Wasser mal zu knapp ist und dann wieder im Überfluss vorhanden ist, arbeiten sich die Landwirte an das Thema heran: Bewässerung, Wasserversorgung von oben (Beregnung) oder von unten (Unterflurbewässerung). Wer beregnet, versprüht Wasser über den Nutzpflanzen. Diese Technik ist flexibler, aber Wasser kann schneller verdunsten. Die Unterflurbewässerung ist aufwändiger, da das Wasser über Schläuche direkt in den Boden eingeleitet werden muss, aber damit direkt an die Pflanzenwurzel kommt und nur wenige Verluste auftreten. Bewässern bedeutet, das Nass direkt an die Pflanze zu bringen, mit teils weiträumigen Anlagen. Die Definitionen, oder vielmehr die Übergänge der Verfahren, sind in der Praxis fließend.

Sollen landwirtschaftliche Kulturen mit (zusätzlichem) Wasser versorgt werden, muss zunächst geklärt werden, ob dieses genutzt werden kann und darf. Klingt banal, ist es aber nicht. So berichtete Jürgen Kleber von der Hochschule während der jüngsten DLG-Bewässerungstagung über die "Ertüchtigung von Abwasserteichanlagen im Norden Namibias zur Erhöhung der Wasserverfügbarkeit für Futterpflanzen".  Bewässerung schafft in den Trockengebieten die Grundlagen für Menschen und Nutztiere. Hierzulande stellt sich eine ähnliche Frage, wie Veikko Junghans während der Fachtagung erläuterte. Als Wissenschaftler der Humboldt-Universität Berlin widmet er sich der Frage, "welche Ressourcen für die Feldbewässerung in Deutschland nutzbar" sind. In der Bundesrepublik ist laut Junghans "in vielen Regionen noch genug Wasser vorhanden, angespannte Situationen existieren derzeit trotzdem", beispielsweise in Brandenburg. Als Alternativen zu klassischen Ressourcen hält Junghans gereinigte Abwässer aus kommunalen Kläranlagen für "sehr bedingt geeignet". Prozesswasser der Nahrungsmittelindustrie sei "wenig geeignet", Restwässer aus Biogasanlagen seien immerhin "bedingt geeignet". Das Prädikat "gut geeignet" vergibt Junghans nur für Oberflächenwasser und Uferfiltrat.  Die "Quelle" entscheidet.

Spezielle Lösung statt Patentrezept

Die Beispiele verdeutlichen, dass "Regenmacher" an den unterschiedlichen landwirtschaftlichen Standorten gefragt sind. Zugleich wird klar: Patentrezepte für die Bewässerung gibt es nicht - jede Lösung muss an die jeweilige Situation angepasst sein. Das Leitthema der AGRITECHNICA 2019 greift diesen zentralen Aspekt mit dem Motto „Global Farming - Local Responsibilty“ auf. Wie vielleicht für keinen zweiten „Produktionsfaktor“ steht Wasser, und damit Bewässerung, für die lokale Verantwortung einer international vernetzten Agrarwirtschaft.
Wasser als knappes und somit kostbares Gut muss mit maximal möglicher Effizienz eingesetzt werden. Es versteht sich von selbst, dass die Digitalisierung dazu einen wichtigen Beitrag leistet, da sie es ermöglicht, Wasser punktgenau, sprich wirkungsvoll dosiert, zur richtigen Zeit dorthin zu bringen, wo es in den Kulturen benötigt wird. Eine Vernetzung mit dem gesamten Betriebsmanagement gehört im Idealfall dazu. Dazu gehört auch das richtige Bodenmanagement, um diesen als Wasserspeicher für die Kulturpflanzen zu nutzen.

Moderne Technologie, auch für die Bewässerung, und das Know-how diese anzuwenden, vermittelt die AGRITECHNICA als Weltleitmesse für Landtechnik vom 10. bis 16. November 2019 in Hannover.

Kurz gefasst:

  • Bewässerung gewinnt weltweit an Bedeutung
  • Digitalisierung optimiert die Verfahren
  • Wasser als Paradebespiel für AGRITECHNICA-Leitthema "Global Farming - Local Responsibility"  
  • Deutschland mit teilweise angespannter Situation
  • Wasserressourcen unterschiedlich geeignet   

Verantwortung für ein knappes Gut

Bewässerung in der Praxis

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